Konzert-ankündigung

Johann Sebastian Bach – Johannes-Passion, BWV 245

Wittener Bach-Chor | Martin-Luther-Kantorei Hemer

Samstag, 5. April 2025, 18:00 Uhr
Johanniskirche Witten
Sonntag, 6. April 2025, 17:00 Uhr
Ebbergkirche Hemer


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Eintritt: 20 € VVK / 22 € AK (unter 18 Jahren frei)

Sopran: Merle Bader
Alt: Anna Kristina Naechster
Tenor: Fabian Strotmann (Evangelist + Tenor)
Bass: Gerrit Miehlke
Bass: Hanno Kreft (Jesusworte)
Ensemble „La Réjouissance“

Leitung: KMD Meike Pape

Passionsmusik nach dem Evangelisten Johannes (BWV 245) – Johann Sebastian Bach

Der Wittener Bach-Chor wird unter der Leitung von KMD Meike Pape Anfang April 2025 zusammen mit der Martin-Luther-Kantorei die Johannespassion von Johann Sebastian Bach aufführen.

Der Kartenvorverkauf beginnt am 03.März 2025.

 

Die Tradition am Karfreitag den Passionsbericht nicht sprechend vorzutragen, sondern ihn von mehreren Personen abwechselnd singen zu lassen, reicht zurück bis in die Anfänge christlicher Gottesdienstmusik. Lange Jahrhunderte wurde das singende Rezitieren von drei Solisten ausgeführt, welches aus psalmodierenden Formeln bestand. Bis heute wird diese Möglichkeit der liturgischen Ausführung praktiziert, bei denen der Evangelist in der Mittellage singt, die Christusworte in tiefer Lage erklingen und sämtliche anderen handelnden Personen (Pilatus, Volk, Hohepriester, Knechte etc.) von einer hohen Stimme gesungen werden.

In der aufkommenden Mehrstimmigkeit wurden dann einzelne Teile der Passion (Jesusworte, Volkschöre), die man als besonders wichtig erachtete, mehrstimmig gesetzt. Nach der Reformation erlebten die Passionsvertonungen gerade im lutherischen Bereich eine hohe Blüte. Passionen von Schütz, Scandello, Mancinus, Demantius und vielen anderen, die zum Teil bis heute gesungen werden, waren meist ohne die Begleitung von Instrumenten im puren a cappella Klang des Karfreitags komponiert.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kamen instrumentalbegleitete Passionen auf. In diesen wurde der relativ lange Passionstext oftmals durch Choralstrophen, die den Gemeinden bekannt waren, eröffnet und beschlossen. Eine weitere Form der Betrachtung einzelner Passionsabschnitte war die Einfügung freier Texte, die dann als Arien vertont wurden. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts traten zu den umrahmenden Choralstrophen und den betrachtenden Arien noch Choräle innerhalb des Werkes hinzu, die ein weiteres Gliederungsmoment darstellen. So entstand um das Jahr 1700 herum die sog. oratorische Passion, deren erstes bedeutendes Beispiel die Markus-Passion von Reinhard Keiser ist, die auch von Bach aufgeführt worden ist. In Witten erklang diese Passion zuletzt 2000 unter Mitwirkung des Wittener Bach-Chores und des Kantatenchors Gevelsberg in der Johanniskirche.

Die beiden uns überlieferten Passionen Bachs auf die Texte der Evangelisten Matthäus und Johannes sind die berühmtesten Beispiele dieser Gattung. In ihnen erreicht die Vertonung der Evangelientexte zum Leiden und Sterben Jesu einen Gipfel, der nie wieder in dieser Größe und Eindringlichkeit erreicht wurde. Mit Krysztof Penderckis Lukaspassion, die im Dom zu Münster uraufgeführt worden ist, hat die Tradition der Passionsvertonung eine prominente Fortsetzung im 20. Jahrhundert gefunden.

Die Johannes-Passion Bachs liegt in vier Versionen vor, möglicherweise hat es sogar noch eine fünfte, eine Frühfassung, gegeben. Die erste uns bekannte Version stammt aus dem Jahr 1724, wo sie von Bach am Karfreitag in Leipzig aufgeführt wurde. In den kommenden Jahren wurde sie von Bach noch mindestens drei oder viermal aufgeführt. Bei jeder Aufführung wurde das Stück zum Teil eingreifend verändert. Der eigentliche Passionsbericht, d. h. die Evangelisten-, Christus-, oder Pilatuspartie sowie die Turba-(= Massen-)Chöre blieben jedoch unverändert. Dementsprechend gibt es eigentlich die Johannes-Passion nicht, sondern nur die Version eines bestimmten Jahres. Die heute üblicherweise aufgeführte Version entspricht der der Jahre 1724 und 1749. Unsere Aufführung hält sich an diese Fassung nach dem Urtext der Neuen Bach-Ausgabe.

Eine besondere Rolle weist Bach den Chorälen zu. Es sind keine einfach nur vierstimmig gesetzten Gemeindelieder sondern poetische Neuschöpfungen, die die Choräle zur Grundlage haben. So ändert Bach um der Textausdeutung willen mehrfach die Melodien oder er unterlegt einen anderen Text. Exemplarisch hierfür sei der Choral „Durch dein Gefängnis Gottes Sohn“ erwähnt. Der Text ist sozusagen die theologische Summa der ganzen Passion: Durch „dein Gefängnis“ – also Jesu Leiden und Sterben – „ist uns die Freiheit kommen“ – die Erlösung von Schuld und Sünde (Knechtschaft). Der Text entspricht einem freien Arientext, der von Bach mit einer Choralmelodie kombiniert wird. Das individuelle eines Arientextes wird hier der Gemeinde als Identifikationsmodell angeboten: Jeder einzelne Zuhörer kann den Text quasi individuell mit vollziehen. Dieser Choral steht im Zentrum der Passion.

Das im Barock gültige Formprinzip der Symmetrie findet hier Anwendung. In der Johannes-Passion gruppieren sich Choreinwürfe und Arien in genau entsprechender Folge und auch satztechnischer Form um diesen Choral.

Die genaue Herkunft der freien Arientexte ist bis heute ungeklärt. Viele Texte sind auch in anderen Versionen, von denen einige der damals bekannte Hamburger Dichter Christian Heinrich Brockes geschrieben hat, bekannt und vertont worden. Eventuell hat Bach selbst aus verschiedenen Vorlagen den Passionstext zusammengestellt.

Bachs Aufführungsapparat war verhältnismäßig klein, so wurde das Werk mit höchstens 24 Sängern und 19 Instrumentalisten aufgeführt, wobei die Choristen auch die Solopartien sangen. Die Sopran- und Alt-Partien waren durch Knaben- bzw. Männerstimmen (Altus) besetzt. Die Bauart der Instrumente entsprach noch nicht der unseres heutigen modernen Orchesters. Die heutige Aufführung lehnt sich in der Besetzung des Orchesters und der Solostimmen an eine historische Aufführungspraxis an.

In den Karfreitags-Vespergottesdiensten in Leipzigs Hauptkirchen musste der Evangelientext vollständig wiedergegeben werden. Bach verändert in der Johannes-Passion an zwei Stellen diesen Text und ergänzt aus dem Matthäusevangelium die Verleugnungsszene des Petrus und die Erdbebenszene nach dem Tod Jesu – nicht zuletzt aus dramaturgischen Gründen. Am stärksten unterscheiden sich die Passionen jedoch in ihrer theologischen Aussage. Während die Matthäuspassion das Leiden und Sterben Christi in den Vordergrund stellt, weist die Johannes-Passion über den Tod hinaus auf die Auferstehung und den Erlösungsgedanken hin. Das Passionsgeschehen ist eingebettet in das Lob Gottes! Schon der Eingangschor „Herr, unser Herrscher“ manifestiert den festen Glauben an Christus, den Weltherrscher und Auferstandenen. Ein österlicher Akzent bestimmt die Texte, die Jesu Leiden ins Sieghafte deuten. (Beispiel: „Es ist vollbracht – Der Held aus Juda siegt mit Macht“). Tröstlich und in der Hoffnung auf die eigene Auferstehung endet die Passion mit dem Choral „Ach Herr, lass dein lieb Engelein“.

KMD Meike Pape, Hemer

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Nächstes Konzert:

Johann Sebastian Bach – Weihnachtsoratorium, BWV 248

Wittener Bach-Chor | Martin-Luther-Kantorei Hemer
Leitung: KMD Meike Pape

Januar 2026
Johanniskirche Witten